Kommentar

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Alles oder nichts?

Ich bin und werde kein „militanter“ Veganer!


Mein Motto für mich persönlich lautet: 5 % nicht vegane Kost ist erlaubt.

Ursel_KatzeDas heißt, dass wenn ich in einem Restaurant eine Gemüseplatte bestelle und dieses Gemüse mit ziemlicher Sicherheit dann doch in „Butter“ geschwenkt wurde, würde ich das Essen trotzdem aus vollem Herzen genießen. Oder wenn ich ein veganes Pastagericht bestelle und der Koch meine Spaghetti dann mir zuliebe mit etwas Parmesan „verziert“ hat würde ich sie trotzdem mit Lust essen. Nur bei mir zuhause, wenn ich mir selbst Essen zubereite, ist alles vegan.

Meinem 5 %-Motto lege ich ein Experiment zugrunde, das Professor Campbell in seiner "China Study"* beschrieben hat. Dort wurde dem normalen Futter von Laborratten „Kasein“, das Milcheiweiß zugesetzt. Eine Rattengruppe erhielt in diesem Experiment 5 % Kasein und 95 % normales Rattenfutter. Einer zweiten Kontrollgruppe wurden 20 % Kasein und 80 % normales Rattenfutter verfüttert. Das Ergebnis hat mich sehr nachdenklich gemacht: Alle Ratten die nur 5 % Milcheiweiß erhielten waren nach dem Versuch kerngesund. Alle Ratten des 20%-Versuchs hatten einen hochgradigen Leberkrebs entwickelt – ausnahmslos alle!

Diese 100% haben mir schwer zu denken gegeben.

 

„Milch macht müde Männer munter“!?
„Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“!?

Oft werde ich gefragt, warum man denn in Gottes Namen keine Eier mehr essen soll?

Wußten Sie, dass alleine in Deutschland jährlich 50.000.000 – sprich Fünzigmillionen kleine, süße, gelbe Kücken vergast oder geschreddert werden, nur weil sie männlich sind und keine Eier legen können? Angenommen ein Außerirdischer würde sich in unsere Galaxie verirren und würde sich unsere Welt von oben betrachten und eine Weile studieren. Würde er nicht den Kopf schütteln, wenn er sähe, dass wir 50.000.000 Tiere töten, nur um am Sonntag unser Frühstücksei genießen zu können? Er wäre sicher auch verwundert, wenn er sähe, dass wir auf der einen Seite der Erdkugel Schweine mästen und auf der anderen Seite pro Sekunde ein Menschenkind verhungert.

Seit einem Jahr habe ich mir einen Herzenswunsch erfüllt und mir eine Fundkatze vom Tierschutzverein in mein Haus geholt. Wenn ich jetzt an den Außerirdischen denke, könnte er sich auch darüber wundern, warum wir einige Tierarten in überfüllten Käfigen dahinvegetieren lassen und anschließend schlachten und aufessen und andere Tiergattungen in unsere Familie mit aufnehmen. Er könnte uns für tierische Rassisten halten.

 

Rosmarinhähnchen und ein seltsames Einkaufsgefühl!

Verstehen Sie mich nicht falsch – ich bin kein Kämpfer für Recht und Ordnung – ich bin kein Moralist und ich bin auch, wie gesagt, kein militanter Veganer – im Gegenteil. Ich habe immerhin fast 50 Jahre mit Genuss Fleisch verzehrt. Zum Beispiel meine berühmt berüchtigten Rosmarinhähnchen. Das ganze Haus duftete wunderbar nach Rosmarin und wenn ich Gästen dieses Essen einmal serviert hatte, durfte ich nie mehr etwas anderes kochen, wenn sie wiederkamen. Ich kaufte die Hähnchenschenkel im Supermarkt und manchmal beschlicht mich doch ein seltsames Gefühl, wenn ich für 2,98 Euro drei fette Hähnchenschenkel mit nach Hause nahm und davon zwei bis drei Personen statt wurden.

Dieses Gefühl diskutierte ich einmal mit meinem Bruder. Der lebt an der Nordseeküste. Einmal war er dort bei einer Sicherheitsfirma angestellt und für einen „Informanten“ und drei "verdeckte Ermittler" verantwortlich, die in einem der großen Fleischfabriken die Arbeitsbedingungen der überwiegend rumänischen Gastarbeiter auskundschaften sollten. Über mehrere Wochen traf sich mein Bruder am Sonntagmorgen mit dem "Informaten", einem rumänischen Metzgermeister, um mehr über die Zustände in der Fleischfabrik zu erfahren.

In diesem Zeitraum sollte mein Bruder mithelfen, ein großes Familienfest zu organisieren und er fragte den Rumänen, ob es einen Fabrikverkauf in der Fleischfabrik wo er arbeitete geben würde. Da winkte der Rumäne ab und erklärte meinem Bruder, dass er, wenn er im Supermarkt vor dem Fleischregal stehen würde, niemals das Fleisch aus seiner Fabrik nehmen könnte, weil ihn die dortigen Umstände so über alle Maßen ekeln würden.

 

„Dirty work“?

Weltweit arbeiten mehrere Millionen Menschen in Schlachthöfen – niemand weiß, wie viele es genau sind. Ihre Arbeit gilt als „dirty work“. Vor allem in westlichen Industrienationen erfährt sie kaum soziale Anerkennung und ist kulturell weitgehend geächtet. Dumpinglöhne und katastrophale Arbeitsbedingungen sind die Regel. Hohe Arbeitsgeschwindigkeit, die Monotonie der immer gleichen Abläufe, die Unfallgefahr beim Umgang mit gefährlichen Werkzeugen und Chemikalien sowie die einseitige Beanspruchung von Rücken und Gelenken – diese Kombination ist enorm belastend. Je nach Arbeitsplatz kommen Hitze oder Kälte, Lärm, ein erhöhtes Risiko durch Infektionskrankheiten sowie besonders frühe oder späte Schichten hinzu. Zusätzlich kann für Arbeitnehmer auch der Umgang und die Tötung von Tieren belastend sein. Viele Schlachter nennen „Härte“ als Voraussetzung für die Ausübung ihres Berufes (Fleischatlas 2014).

Badische-Zeitung vom 14. April 2014: Wenn ein Fleischarbeiter einen Mindestlohn von 8,50 Euro bekäme, würde sich der Kilopreis Fleisch nur um 5,7 Cent verteuern.

 

Unter den Rubriken:

finden sich aktuelle Informationen und Zahlen zu den einzelnen Nutztieren.

 

Was hat vegane Ernährung mit dem Regenwald zu tun?

Der „Fleischatlas 2014“ zeigt Tendenzen der globalen Fleischproduktion auf. Die erfreuliche Nachricht zuerst: In Deutschland ist der Fleischkonsum 2013 durchschnittlich um drei Kilogramm pro Einwohner zurückgegangen. Doch der globale Hunger nach Fleisch ist vorerst nicht zu stillen. Prognosen aus dem „Fleischatlas 2014“, den der BUND gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique herausgibt, gehen von weiteren Produktionszuwächsen aus: Danach wird die weltweite Fleischerzeugung bei Fortsetzung des gegenwärtigen Trends bis Mitte dieses Jahrhunderts von jetzt 300 Millionen Tonnen auf dann fast eine halbe Milliarde Tonnen steigen. Damit einhergehend wird sich die Sojaproduktion für Futtermittel zur Mästung der Schlachttiere nahezu verdoppeln – von derzeit 260 auf über 500 Millionen Tonnen.Die Fleischproduktion hat mittlerweile kaum mehr fassbare Dimensionen angenommen: Allein in Deutschland werden jährlich 58 Millionen Schweine, 630 Millionen Hühner und 3,2 Millionen Rinder geschlachtet. Im Schweineschlachten hat es Deutschland damit inzwischen zum traurigen Titel „Europameister“ gebracht. Global gesehen sind die Deutschen damit jedoch keineswegs Spitzenreiter: In den USA schlachtet alleine die Gesellschaft „Tyson Foods“ mehr als 42 Millionen Tiere in einer einzigen Woche, in China werden über 660 Millionen Schweine pro Jahr geschlachtet. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Chinas Bevölkerung wird wohlhabender und damit steigt die Nachfrage nach Fleisch. Dabei produziert China schon jetzt soviel Tonnen Schweinefleisch wie niemand sonst auf der Welt – und trotzdem kann es die Nachfrage im Land bei weitem nicht decken.Der Preis für die steigende Fleischnachfrage: Schlachtanlagen werden immer über­dimen­sionierter, die Fleischerzeugung weltweit immer industrialisierter – mit all den uner­wünschten Nebeneffekten wie Lebensmittelskandalen, Antibiotikamissbrauch oder Hormonrückständen im Fleisch.

 

Immer mehr Flächen für die Futtermittelproduktion

Der expandierende Futtermittelanbau im Zuge des Fleisch-Booms führt darüber hinaus zu enormen Umweltbelastungen und negativen Auswirkungen auf die Menschen.Weltweit wandern über 40 Prozent bzw. rund 800 Millionen Tonnen der Ernte von Weizen, Roggen, Hafer und Mais direkt in die Futtertröge. Laut UN werden drei Viertel aller agrarischen Nutzflächen in irgendeiner Weise für die Tierfütterung beansprucht: Flächen, die effizienter für den Anbau von Nahrungsmitteln für den Menschen genutzt werden könnten. Zudem „kaufen“ reiche Länder im großen Stil Anbauflächen im Ausland ein. Allein die europäische Fleischproduktion benötigt pro Jahr im Durchschnitt 13 Millionen Hektar südamerikanische Anbauflächen für Futtermittel.Die Folgen sind fatal: Wertvolle Regenwälder gehen verloren, Böden werden durch Pestizide verseucht und die Preise für Nahrungsmittel steigen aufgrund knapper werdender Agrarflächen. Außerdem führt die großräumige Anwendung des Herbizids Glyphosat beim Sojaanbau in Südamerika vermehrt zu Fehlbildungen bei Neugeborenen. (Quelle: www.bund.net)

 

Fazit: "Die Dosis macht das Gift" ... sagte schon Paracelsus vor 500 Jahren. Deshalb freue ich mich über jede Person, die den Einstieg in eine überwiegend fleischlose Ernährung wagt - ganz nach dem Motto:

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Denn mit einer bewussteren Ernährungsweise werden mehrere Zwecke erreicht: Wir können köstliche und schmackhafte Mahlzeiten genießen und gleichzeitig etwas für unsere Gesundheit, für die Umwelt und für die Lebens­bedingungen der Nutztiere tun.

Eine feine Win-Win-Win-Strategie!

Allzeit guten Appetit!

Unterschrift

Ursel Kiefer
Wehr, im April 2014

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* T. Colin Campbell: China Study – Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise, Verlag Systemische Medizin, Juli 2011, ISBN 978-3-86401-001-9
  (Neuauflage von Die „China Study“ – und ihre verblüffenden Konsequenzen für die Lebensführung)